Essstörungen und ihre Auswirkungen auf die Mund- und Zahngesundheit

Essstörungen Mundgesundheit ist ein oft unterschätztes, aber medizinisch relevantes Thema. Essstörungen sind ernsthafte psychische Erkrankungen, die das Essverhalten, das Körperbild und langfristig die gesamte Gesundheit beeinflussen. Neben den bekannten körperlichen und psychischen Folgen bleibt ein Bereich häufig unbeachtet: die Mund- und Zahngesundheit.

Essstörungen entstehen häufig durch negative Gedanken über Gewicht, Körperform und Nahrung. Bleiben sie über einen längeren Zeitraum unbehandelt, können sie schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben – darunter Schäden an Herz, Verdauungssystem, Knochen, Zähnen und dem gesamten Mundraum.

Während die psychologische Behandlung immer im Mittelpunkt steht, ist es ebenso wichtig zu verstehen, wie Essstörungen die Mundgesundheit beeinflussen und warum zahnärztliche Betreuung ein wichtiger Teil des Genesungsprozesses ist.

Die häufigsten Essstörungen

Grundsätzlich werden drei Hauptformen von Essstörungen unterschieden. Jede wirkt sich auf unterschiedliche Weise auf den Körper und insbesondere auf Zähne, Zahnfleisch und Mundschleimhaut aus.

Anorexia nervosa (Magersucht)

Menschen mit Anorexie haben eine intensive Angst vor Gewichtszunahme und nehmen ihren eigenen Körper verzerrt wahr. Typische Verhaltensweisen sind extremes Hungern, übermäßiger Sport, die Einnahme von Abführmitteln oder absichtliches Erbrechen.

Der daraus resultierende Nährstoffmangel schwächt den gesamten Organismus. Zähne verlieren an Stabilität, das Zahnfleisch wird anfälliger für Entzündungen und die Mundschleimhaut heilt deutlich schlechter.

Anorexie zählt – nach Suchterkrankungen – zu den tödlichsten psychischen Erkrankungen und kann Menschen jeden Alters und Geschlechts betreffen.

Bulimia nervosa

Bulimie ist durch Essanfälle gekennzeichnet, gefolgt von Erbrechen oder der Einnahme von Abführmitteln. Dabei ist die Mundhöhle regelmäßig aggressiver Magensäure ausgesetzt.

Diese Säure greift den Zahnschmelz an, vor allem auf der Rückseite der Frontzähne. Die Folge sind Zahnerosion, erhöhte Empfindlichkeit, Absplitterungen und chronischer Mundgeruch.

Binge-Eating-Störung

Beim Binge Eating kommt es zu unkontrollierten Essanfällen ohne anschließendes Erbrechen. Da diese Episoden häufig heimlich stattfinden, wird die Mundpflege danach oft vernachlässigt.

Dies erhöht das Risiko für Plaquebildung, Karies und Zahnfleischentzündungen erheblich.

Wie Essstörungen die Mundgesundheit beeinträchtigen

Die Verbindung zwischen Essstörungen Mundgesundheit ist medizinisch gut belegt. Unabhängig von der Form der Essstörung entstehen ähnliche Risiken für Zähne und Zahnfleisch.

Mangelernährung

Eine unausgewogene oder stark eingeschränkte Ernährung führt zu einem Ungleichgewicht im Mundmikrobiom. Der Speichelfluss nimmt ab, wodurch die natürliche Schutzfunktion verloren geht.

  • Brüchige oder lockere Zähne
  • Entzündete Mundschleimhaut
  • Rissige Lippen
  • Chronische Mundtrockenheit
  • Blutendes Zahnfleisch

Erbrechen und Magensäure

Wiederholtes Erbrechen ist besonders schädlich für die Zähne. Die aggressive Magensäure verursacht eine fortschreitende Erosion des Zahnschmelzes.

Wichtig: Zähne sollten nicht sofort nach dem Erbrechen geputzt werden, da der aufgeweichte Zahnschmelz sonst zusätzlich mechanisch geschädigt wird.

Übermäßiger Zuckerkonsum

Bei Essanfällen werden häufig große Mengen zuckerhaltiger Lebensmittel konsumiert. Ohne anschließende gründliche Mundhygiene steigt das Risiko für Karies und Zahnfleischentzündungen deutlich an.

Warum frühe Mundpflege so wichtig ist

Eine gute Mundhygiene kann bestehende Schäden zwar nicht vollständig rückgängig machen, sie spielt jedoch eine entscheidende Rolle dabei, den weiteren Verlauf zu stabilisieren und Folgeschäden zu vermeiden.

Schon sanfte Maßnahmen wie schonendes Zähneputzen, regelmäßige Reinigung der Zahnzwischenräume und ein bewusster Umgang mit Säuren können langfristig einen großen Unterschied machen.

Besonders während der therapeutischen Behandlung einer Essstörung sollte die Mundgesundheit eng begleitet werden, da gesunde Zähne eine wichtige Voraussetzung für eine ausgewogene Ernährung und ein positives Körpergefühl sind.

Welche Rolle spielt der Zahnarzt?

Zahnärzte können Essstörungen nicht diagnostizieren, erkennen jedoch häufig frühe Warnzeichen wie Zahnerosion, entzündetes Zahnfleisch oder ungewöhnliche Abnutzung.

In der Erholungsphase arbeiten Zahnärzte oft eng mit Therapeuten und Ernährungsberatern zusammen, um die Mundgesundheit Schritt für Schritt wiederherzustellen.

Zahnbehandlungen nach Essstörungen

Je nach Ausmaß der Schäden können verschiedene zahnärztliche Maßnahmen notwendig sein:

  • Remineralisierung mit Fluorid
  • Behandlung von Zahnhalsüberempfindlichkeit
  • Versorgung mit Kronen bei stark geschädigten Zähnen
  • Parodontale Therapien bei Zahnfleischrückgang

Stabile, gesunde Zähne sind eine wichtige Grundlage für den gesamten Genesungsprozess und tragen maßgeblich zur Lebensqualität bei.

Fazit: Mundgesundheit als Teil der Heilung

Die Erholung von einer Essstörung betrifft nicht nur die Psyche, sondern den gesamten Körper – einschließlich Zähnen und Mund.

Eine frühzeitige zahnärztliche Betreuung, sanfte Mundpflege und der Aufbau gesunder Routinen helfen dabei, dauerhafte Schäden zu begrenzen und Schritt für Schritt Lebensqualität zurückzugewinnen.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder therapeutische Beratung.

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